«Unsere Mission: Erhöhung der Sicherheit»

Er ist durch (fast) nichts aus der Ruhe zu bringen: Andreas Flück ist seit dem 1. Januar 2021 der neue Leiter der Geschäftsstelle der Kantonalen Krisenorganisation (KKO). Der 54-jährige ausgebildete Tiefbautechniker stellt sich im Interview vor.

Stark gefordert: Die Arbeit in der Krisenbewältigung hat seit rund einem Jahr an Intensität zugenommen. Mittendrin auch Andreas Flück.

Was hat Sie dazu bewogen, sich auf die Stelle als Leiter der Geschäftstelle der KKO zu bewerben?

Das war spontan! [lacht] Nein, ich bin schon länger in der KKO als Fachbereichsleiter aktiv und habe mit den Themen Krisenbewältigung, Vorbeugung und Ausbildung zu tun. Ich durfte den Fachbereich Technik aufbauen, damit dieser als eigenständiger Bereich wahrgenommen wird. Die Technik ist in der KKO neben den Blaulichtorganisationen eher ein «Exot». Sie deckt die Themen Infrastruktur sowie Versorgung und Entsorgung ab, welche in der Vergangenheit eher stiefmütterlich behandelt wurden. Eine Krise umfasst aber nicht nur den Einsatz, sondern auch das Drumherum, wie eben zum Beispiel die Infrastruktur.

Aufgrund der Corona-Krise wurde seit Februar 2020 die Arbeit in der Krisenbewältigung immer intensiver. Als die Stelle des Leiters der Geschäftsstelle KKO frei wurde, dachte ich, dass Mitte Fünfzig wohl der richtige Zeitpunkt sei, um nochmals eine Veränderung in Angriff zu nehmen. Die Doppelfunktion als Abteilungsleiter KKO und Stabchef Stellvertreter im Krisenstab erlaubt mir, noch intensiver an der Thematik zu arbeiten. Ich hatte zuvor immer das Gefühl, dass ich zu wenig Zeit für Krisenarbeit habe. Ich muss auch sagen, dass nicht zuletzt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle, wie auch das Umfeld der Hauptabteilung Operationen und der Kontakt zur Polizeileitung meinen Entscheid bestärkt haben. Ich hatte in diversen Projekten beim Tiefbauamt mit Personen der Kantonspolizei zu tun und stets gute Erfahrungen gemacht. Die Leute sind toll!

Sie haben die Corona-Krise einige Male erwähnt, sie ist immer noch sehr präsent. Ganz allgemein, was ist für Sie eine Krise?

Vor Corona hätte ich gesagt, dass eine Krise ein plötzlich eintretendes Ereignis ist, und dass man helfen muss, damit der Normalzustand so rasch wie möglich wieder eintritt.

Mit dieser Pandemie ist etwas aufgetreten, womit wir so nicht gerechnet haben. Eine latente Situation, bei welcher man nie genau weiss, was als nächstes passiert, und wie man darauf reagieren soll. Das Spezielle an dieser Krise ist, dass Regierung und Parlament nach wie vor voll funktionsfähig sind, und das Gesundheitsdepartement diese Krise bewältigt. Die KKO ist dabei unterstützend tätig.

Obwohl man aus Gefährdungsanalysen herauslesen konnte, dass so eine Situation eintreten könnte, hat man sich bisher nicht konkret mit einem so lang anhaltenden Einsatz auseinandergesetzt. Die Corona-Krise ist belastend, weil sie schon fast ein Jahr andauert und das Ende noch nicht absehbar ist.

Zusammenfassend ist für mich eine Krise alles, was man nicht mit den üblichen Ressourcen aus dem «Tagesgeschäft» bewältigen kann.

Was bedeutet Führung in der Krise für Sie?

Die Antwort auf diese Frage ist fast so vielseitig wie die Antwort auf die Frage, was eine Krise ist. In einer plötzlich eintretenden «Schieflage» braucht es klare Strukturen und Führung von oben mit klar zugewiesenen Aufgaben. In dieser Pandemiesituation ist das sehr vielschichtig und komplex. Führung in diesem Sinne heisst für mich aufpassen, was alles passieren könnte, den Blick in die Zukunft richten und schauen, wo man wie ansetzen müsste, um Verbesserungen anzubringen. Wo kann man an der Struktur etwas verbessern, damit überhaupt geführt werden kann? Den Weitblick haben und offen sein, sowie Ressourcen bereitstellen und Strukturen schaffen, um ein optimales Resultat zu erzielen.

Führung ist, mit den vorhandenen Ressourcen ein möglichst gutes Ziel zu erreichen. Die Erreichung des Ziels muss an die jeweilige Situation angepasst werden.

Bleiben wir beim Thema Krise, was ist für Sie persönlich eine Krise? Man hört über Sie, dass Sie die Ruhe selbst sind – auch wenn es hektisch wird. Was bringt Sie denn aus der Ruhe?

Wenn etwas im persönlichen Umfeld nicht stimmt – wenn man selber betroffen ist und es nahen Angehörigen nicht gut geht.

Aber beim Weltuntergang haben Sie alles im Griff?

[lacht] – Ja! Ich bin jemand, der eher positiv in die Welt schaut und immer versucht, das Gute zu sehen und das Schlechte möglichst zu bewältigen. Aber es gibt sicher Situationen, in denen das nicht mehr möglich ist. Zum Beispiel bei persönlichem Leid, oder wenn man z.B. an einen Unfall heranläuft, das geht mir schon nahe. Oder Hilflosigkeit. Wenn ich weiss, ich kann nicht helfen. Das gilt übrigens auch in der jetzigen Krisensituation. Wenn ich ein Problem sehe, aber ich mit meinen Lösungsvorschlägen nicht durchdringen kann, und es dann schief läuft, und ich weiss, wie man es hätte besser machen können. Das nervt mich dann auch. Ärgerlich finde ich auch unnötige zwischenmenschliche Probleme: Unfrieden, oder Ungerechtigkeit – da kann ich mich sehr darüber aufregen.

Die Corona-Krise hat viel Negatives ausgelöst. Welche positiven Erkenntnisse und Erfahrungen nehmen Sie aus dem letzten Jahr mit?

Viele tolle Begegnungen und die Zusammenarbeit mit Leuten, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Konstruktive Arbeit an vielen Themen, das Erzielen von guten Resultaten, eine positive Zusammenarbeit über alle Führungsebenen. In all den Gremien habe ich nie die Erfahrung gemacht, dass jemand nur für sich geschaut hat. Es ging immer um die Sache. Das finde ich sehr positiv. Das Ganze hat auch positive Denkanstösse in der Gesellschaft ausgelöst. Ob und wie nachhaltig die sind, wird sich noch zeigen. Aber es hat sicher bei einigen (nicht bei allen) im Konsumverhalten oder dem Naturbewusstsein positive Aspekte zum Vorschein gebracht.

Was ist Ihr persönliches Ziel im Zusammenhang mit der Abteilung Geschäftsstelle KKO?

Die Geschäftsstelle soll im gesamten Kanton (nicht nur innerhalb der Kantonspolizei) zu Themen des Bevölkerungsschutzes und Risikomanagements als Kompetenzzentrum wahrgenommen werden. Dies natürlich immer abhängig von den vorhandenen Ressourcen für die Umsetzung. Die Geschäftsstelle KKO wird im Ausbildungsbereich bereits als Kompetenzzentrum wahrgenommen – dies soll noch mehr auf die Bereiche Vorsorge und Prävention ausgeweitet werden. Das ist auch unsere Mission. Sie lautet: «Wir erhöhen die Sicherheit für die Einwohnerinnen und Einwohner sowie die Gäste im Kanton Basel-Stadt.»

Andreas Flück


Andreas Flück ist 54 Jahre alt, ausgebildeter Tiefbautechniker TS (HF) und war rund 20 Jahre lang beim Tiefbauamt Basel-Stadt tätig. Er ist stellvertretender Stabschef der KKO Basel-Stadt. In seiner Freizeit engagiert er sich mit seinem Hund «Farell» (ein Australian Shepherd) bei REDOG (Schweizerische Organisation für Such- und Rettungshunde). Er ist verheiratet, wohnt in Oberwil und ist Vater von zwei erwachsenen Kindern.