Die erste Berufsfeuerwehr der Schweiz

21. Oktober 2021

(Zweiter Teil einer losen Serie von Artikeln anlässlich des letztjährigen Jubiläums «175 Jahre Feuerwehr Basel-Stadt». Hier geht's zu Teil 1.)

Joseph Schetty, Kommandant der Feuerwehr Basel 1873-1883.

1873 übernahm Joseph Schetty das Pompierkorps und verlieh ihm rasch zunehmende Bedeutung und Wichtigkeit. Bereits 1875 wurden die Reservemannschaften aufgelöst und es verblieb das Korps, die Miliz und Privatfeuerwehren. Major Schetty scheute keine Kosten: Er liess auf eigene Kosten ein Magazin am Claraplatz 2 errichten und übernahm die Wartungskosten für die erste Dampfspritze Basels. Die «Basilisk» wurde aus England importiert und war seinen Preis wert. Sie hatte üppig Werkzeuge, Schläuche und sogar Petrolfackeln und half dank opulenten und weitreichenden Wasserstrahlen gegen viele Brände.

Am 7. März 1882 beschloss die Löschkommission, mit Genehmigung des Regierungsrates, eine «Ständige Feuerwache» mit Tag- und Nachtdienst, probeweise für ein Jahr, einzurichten. Ein Meilenstein war gesetzt - die erste Berufsfeuerwehr der Schweiz wird ins Leben gerufen! Am 1. April 1882 versahen erstmals sechs Angehörige und ein Unteroffizier ihren Dienst abwechselnd und rund um die Uhr an der Brodlaube an der Stadthausgasse 1.

Alter Gewohnheit nach warfen viele Anwohnende Kehricht und andere übelriechende Stoffe auf den meist trockenen Teil des Birsigbettes, was der Mannschaft im über dem Bach stehenden Wachtlokal nicht die besten Düfte bescherte. Major Schetty bemängelte diese Unterkunft. Nach verschiedenen Vorstössen konnte die ständige Feuerwache am 30. Januar 1888 endlich in ein neues Lokal am Steinenberg 8 übersiedeln. Infolge der Restaurierung der Barfüsserkirche und des dadurch bedingten Abbruchs der Räumlichkeiten wurde das Wachtlokal weiter an den Steinenberg 4 verlegt.

Ende 1901 bot sich den Behörden die Gelegenheit, die Liegenschaft «Lützelhof» in der Spalenvorstadt 11 zu annehmbaren Bedingungen zu erwerben. Die Liegenschaft wurde erworben und für die Feuerwehr eingerichtet. Bis Ende 1902 waren die Umbauarbeiten soweit fortgeschritten, dass das neue Feuerwehr-Hauptdepot am 8. Januar 1903 von der Ständigen Feuerwache und vom Kommissariat der Feuerwehr bezogen werden konnte. Erstmals konnte man jetzt von einer richtigen Feuerwache reden, die mit Schlaf- und Aufenthaltsräumen und einer Fahrzeughalle ausgestattet war. Das nebenan liegende Werkstattgebäude besass einen Übungsturm sowie eine Schlauchwasch- und Trocknungsanlage. Ende 1909 bestand die Wache aus insgesamt 24 Feuerwehrmännern.

Mit grossen Schritten eilten die technischen Entwicklungen und Erfindungen um die Jahrhundertwende voran. Zu Beginn der 1890er Jahre tauchten in Basel die ersten Velos auf. Bald erkannte auch die Basler Feuerwehr die Vorteile dieses Fortbewegungsmittels und kaufte im Jahre 1898 ein vierrädriges Feuerwehr-Mannschaftsfahrrad. Nachdem das Fahrrad, bedingt durch die fortwährende Ausdehnung der Stadt, nicht mehr genügte und auch die Dampfspritze «Basilisk» aus dem Jahr 1875 infolge einer Beschädigung unbrauchbar geworden ist, wurde die Anschaffung eines zeitgemässen Fahrzeuges realisiert. So gelangte im Jahr 1905, nebst einer neuen leistungsfähigen Automobil-Dampfspritze, der erste elektromobile Feuerwehrmannschafts- und Gerätewagen zur Anschaffung. Diesem Fahrzeug folgte 1909 eine elektromobile Balance-Drehleiter und 1926 die erste Benzin-Automobilspritze.

In Folge der Arbeitsbewegungen 1919 trat der neue 24 Stunden-Schichtwechsel - 24 Stunden Dienst gefolgt von 24 Stunden Freizeit - ein. Gleichzeitig wurden zwei Dienstgruppen gebildet und der Bestand der Wache auf 41 Feuerwehrmänner erhöht.

Im Jahr 1929 wurde die einfache Rufnummer «18» für Feuermeldungen an die Feuerwache eingeführt. Erst fünfundvierzig Jahre später, am 15. Juni 1974, wurde die Rufnummer mit der heutigen Notrufnummer «118» ersetzt.

 

Quellen:

Thommen Bruno; Die Basler Feuerwehr. Birkhäuser Verlag, Basel 1982.

Thommen Bruno; Schweizerisches Feuerwehr-Museum. Feuerwehr-Museum Basel (Hrsg.), Basel 1997.

Dubler Anne-Marie: "Feuerwehr". Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 08.06.2021.

Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007788/2021-06-08/, konsultiert am 30.08.2021.

Bilder:

Feuerwehrmuseum Basel, archiviert im Staatsarchiv Basel.

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