Heiraten im Zeichen des Zahlenpalindroms

Menschen lieben spezielle Zahlenkombinationen und aussergewöhnliche Tage. Warum sonst verzeichnen die Zivilstandsämter einen Andrang an Heiratswilligen bei Daten mit Schnappszahlen wie dem 11.11.11 oder an den Valentinstagen? Weil man sich einen solchen Termin besser merken kann? Vielleicht. Es ist jedoch anzunehmen, dass ein spezielles Datum dem per se schon einzigartigen Tag im Leben mehr Gewicht gibt, Hoffnung schürt. Zahlen sind verheissungsvoll; helfen vielleicht mit, dass «die ewige Liebe» etwas länger hält als im Durchschnitt. In Kürze steht übrigens ein spezielles Datum an: ein Zahlenpalindrom.

Die Trauung ist ein besonderer Tag. Viele Paare wählen sich dafür ein spezielles Datum: eine «Schnapszahl» zum Beispiel oder ein Zahlenpalindrom.

Die Hochzeit ist der Anstoss zu einem glücklichen, gemeinsamen Leben und die Behörden wollen diesem Glück keinesfalls im Wege stehen. Die zuständigen Personen im Zivilstandsamt Basel suchen jedenfalls regelmässig Termine im Kalender, die bei Heiratswilligen auf besonderes Interesse stossen könnten. Dann wird überlegt, wie man einem allfälligen Ansturm gerecht werden könnte. Beispielsweise, indem an einem Mittwochnachmittag oder Samstag Trauungen angeboten werden, also zu Zeiten, an denen das Amt normalerweise geschlossen ist.

Besonders selten: das Zahlenpalindrom

Das Jahr 2021 verzeichnet an einem Freitag im Februar ein besonders seltenes Datum, ein sogenanntes Zahlenpalindrom. Eine Zahl also, die von links nach rechts und umgekehrt gleicht lautet: 12.02.2021. Hat dies jemand bemerkt und sich das Datum für die Heirat gesichert? Gemäss Massimo di Nucci, dem Leiter des Zivilstandsamts Basel-Stadt ist dieser Termin nicht vollständig ausgebucht, für einen gewöhnlichen Freitag im eher heiratsungeliebten Monat Februar jedoch sehr gefragt. Warum heiraten die Menschen heutzutage überhaupt? Was war früher anders? Gemäss Erfahrung von Massimo Di Nucci geht es – nebst der Liebe selbstverständlich – um gegenseitige rechtliche Absicherung, dies besonders häufig, wenn das Paar sein erstes Kind erwartet. Es kommt auch vor, dass zwei Menschen jahrelang zusammen sind, und kurz vor dem Ableben des einen sich für eine Ehe entscheiden. Dann wird der freudige Anlass zu einer Nottrauung und findet gegebenenfalls gar in einem Sterbehospiz statt.

Oft wünscht sich ein Paar ein bestimmtes Datum, weil es dazu eine persönliche Beziehung hat: Ein Geburtstag, der Tag, an dem sich ein Paar kennen gelernt oder sich etwas Prägendes in ihrem gemeinsamen Leben ereignet hat. Dieser Tag wird mit der Heirat besonders gewürdigt. Ganz aussergewöhnlich und selten ist eine Trauung früh morgens, wenn am Nachmittag der Termin für den Kaiserschnitt ansteht.

Keine Sorge, wenn jemand das Zahlenpalindrom-Datum für die Eheschliessung oder Eintragung der Partnerschaft verpasst haben sollte. Es gibt gute Gründe, an irgendeinem anderen Tag in Basel zu heiraten. Ein wunderschönes, altes Gebäude unweit des Münsters erwartet Sie mit einem aussergewöhnlichen, würdigen Trausaal. Dazu ein Vorgarten für den Apéro im Freien (nutzbar in besseren Zeiten als den aktuellen). Denn kommt ein Paar zur Trauung ins Zivilstandsamt, so soll es diesen letzten Akt der Eheschliessung in erster Linie geniessen können. Alle rechtlichen Fragen sind bereits im Vorfeld geklärt und erledigt.

Beliebte Ziviltrauung

In den siebziger und achtziger Jahren war der Ansturm auf die Ziviltrauung in Basel so hoch, dass bis zu drei Paare gleichzeitig getraut wurden und sie sich gegenseitig als Trauzeugen dienten. Heute fällt oft die kirchliche Trauung weg. Viele Paare möchten daher alle Wünsche und romantischen Vorstellungen einer «perfekten» Heirat im Zivilstandsamt umsetzen. Die Braut kommt in Weiss, der Vater führt sie hinein. Trotz allem Verständnis dafür kann das zu zeitlichen Engpässen führen, denn das Zivilstandsamt ist kein Ersatz für ein kirchliches oder sonstiges Ritual. Was ist das verrückteste, an das sich Massimo di Nucci erinnern kann? Ein junges Paar wollte statt Ringe tauschen, sich im Trausaal solche auf die Finger tätowieren lassen. Diesem Wunsch konnte das Zivilstandsamt leider nicht nachkommen.

Das Zivilstandsamt erbringt viele weitere Dienste für die Bevölkerung. So werden pro Jahr rund 15‘000 sogenannte Registerauszüge ausgestellt wie zum Beispiel Geburtsurkunden, Heimatscheine oder Familienausweise. Daneben registriert das Amt alle Zivilstandereignisse im Kanton Basel-Stadt oder von Basler Bürgern, zum Beispiel jährlich gegen 4700 Geburten. Früher wurden diese Zivilstandsereignisse in sorgfältiger Handschrift in wunderschöne, grosse und schwere Bücher eingetragen. Heute werden sie in den Computer eingetippt. Arbeiten, die – anders als die emotionalen und eher spektakuläreren Hochzeiten – unbemerkt und im Stillen, dennoch hinter den gleichen Mauern ausgeführt werden. Denn was ist der Mensch, wenn er nicht in einem Zivilstandsregister eingetragen ist? Er «existiert» nicht, egal an welchem Tag er geboren wurde.