Feuerwehr und E-Mobilität: «Alternative Antriebe sind die Zukunft»

Die Berufsfeuerwehr der Rettung Basel-Stadt prüft zurzeit schwere Einsatzfahrzeuge mit alternativen Antriebstechnologien. Entschieden ist noch nichts, aber sie würden sich bestens einfügen in die Fahrzeugstrategie des Justiz- und Sicherheitsdepartementes und des Kantons. Beide setzen, wo immer möglich, auf die Karte der Elektromobilität. Aber geht das bei einem Tanklöschfahrzeug oder einem Hubretter überhaupt? Der Kommandant der Berufsfeuerwehr Basel, Daniel Strohmeier, ist überzeugt: «Alternative Antriebe sind auch bei der Feuerwehr die Zukunft. Nun gilt es zu prüfen, ob die Zeit schon gekommen ist.»

Die schweren Einsatzfahrzeuge der Berufsfeuerwehr Basel laufen zurzeit mit Diesel. Die Zukunftsperspektive sind alternative Antriebstechnologien.

Daniel Strohmeier, wann rückt die Berufsfeuerwehr der Rettung Basel-Stadt nur noch mit elektrisch angetriebenen Einsatzfahrzeugen aus?

Das kann ich noch nicht abschätzen, denn es sind noch einige Fragen offen und wir stehen am Anfang eines Prozesses. Alternative Antriebe sind auch bei uns die Zukunft. Nun gilt es zu prüfen, ob die Zeit schon gekommen ist. Momentan sichten wir die zur Verfügung stehende Technik kritisch auf die Tauglichkeit im Feuerwehrdienst. Die vollständige Umstellung ist von der technischen Entwicklung und den Erfahrungswerten in den nächsten Jahren abhängig.

Warum will die Berufsfeuerwehr Basel in ihrem Fuhrpark auf alternative Antriebstechnologien umschwenken?

Der Regierungsrat betont in seinem Gesamtkonzept Elektromobilität die Vorbildfunktion der Verwaltung. Für den zukünftigen Wechsel entschieden haben wir uns bei den Ersatzbeschaffungen von Personenwagen, bei jenen der Grossfahrzeuge ist der Entscheid wie erwähnt noch ausstehend. Für die Emissionsreduktion sind alternative Antriebstechnologien zweifellos auch in dieser Fahrzeugkategorie vorteilhaft. Bei der Feuerwehr geht es allerdings nicht nur um das Fahren, sondern auch um den verlässlichen Betrieb an der Einsatzstelle und das Fahrzeug als Arbeitsplatz. Deshalb müssen wir wichtige Komponenten wie Mannschaftskabine, Entnahme von Material, Pumpe, Bedienelemente, Aggregate und technische Zuverlässigkeit gründlich prüfen. Der feuerwehrtechnische Fahrzeugaufbau ist für uns von zentraler Bedeutung.

Wie gross ist der Fuhrpark der Berufsfeuerwehr und wie viele der Fahrzeuge sind bereits mit Hybridmotoren oder Elektro-Antrieb?

Der Fuhrpark der Abteilung Feuerwehr (Berufsfeuerwehr und Miliz) in der Rettung Basel-Stadt umfasst rund fünfzig Fahrzeuge. Unsere beiden E-Bikes sind momentan die einzigen Vertreter dieser Technologie.

Welche Anforderungen hat die Berufsfeuerwehr Basel an ihre grossen Einsatzfahrzeuge?

Die Anforderungen für Feuerwehrfahrzeuge, egal welcher Grösse, folgen immer den beiden Grundsätzen: «das richtige Mittel zur richtigen Zeit am richtigen Ort» und «die Technik folgt der Taktik». Entsprechend stellen wir den Einsatzzweck und den Einsatzauftrag in den Mittelpunkt unserer Beschaffungsplanung. So erwarten wir beispielsweise eine autonome Laufzeit von vier Stunden bei der Pumpe sowie die Möglichkeit bei längeren Einsätzen an der Einsatzstelle nachtanken zu können. Aufgrund der beschriebenen Autonomie, auch bei Stromausfall oder längeren Einsätzen, kommt aus heutiger Sicht für die Feuerwehr nur ein Hybridfahrzeug in Frage. Sodann muss der reguläre Unterhalt inklusive Betankung, Beladung und kleineren Reparaturen möglichst durch die Berufsfeuerwehr selbst sichergestellt werden können. Das Einsatzmaterial muss sich übersichtlich und gut erreichbar verstauen lassen.

Wie unterscheiden sich Einsatzfahrzeuge mit den heutigen Diesel-Motoren von solchen mit ökologischen Antriebsarten?

Fahrzeuge mit alternativen Antrieben sind in der Regel mit sehr viel mehr Technik, sprich: Elektronik ausgestattet. Die vielen Bildschirme und Knöpfe können in einer eher mechanischen Feuerwehrwelt Bedenken auslösen. Aber bis anhin liegen nahezu keine Erfahrungswerte vor. Wir Feuerwehrleute sind hier eher traditionell orientiert, entsprechend langsam geht die Verbreitung solcher Fahrzeuge voran. Grundsätzlich sollte man objektiv festhalten, dass sich bei alternativen Antriebsmodellen das Fahrgestell und nicht die Strukturerfüllung des Fahrzeuges ändert. Viele verwechseln das.

Und das heisst?

Das heisst: Für die Beurteilung ändert sich nichts. Unsere Einsatzfahrzeuge müssen unabhängig von der Antriebstechnologie spezifische Vorgaben erfüllen. Diese checken wir objektiv ab und entscheiden faktenbasiert. Durch die technologische Entwicklung rückt der Arbeitsplatz «Fahrzeug» noch mehr in unser Blickfeld. Das ist eine Entwicklung, die wir aufgeschlossen verfolgen. Die Angehörigen der Berufsfeuerwehr müssen über Jahrzehnte in ihren Job höchsten körperlichen Ansprüchen genügen, deshalb verdienen sie das bestmögliche, auch entlastende Einsatzmaterial.

Wie gut geeignet sind umweltfreundlichere Antriebe wie Hybrid oder Elektro überhaupt für schwere, in Einsätzen höchst beanspruchte Transportfahrzeuge?

Auf Grundlage der Erfahrungen, auch aus den kantonalen Betrieben, gehen wir von einer sehr guten Eignung aus. Die Nutzung der E-Antriebe bringt durch hohe Drehmomente und geringe Lärmemissionen viele Vorteile mit sich. Die «schweren» Batteriepakete schaffen oft sogar besser Fahreigenschaften, da ein tieferer Schwerpunkt des Fahrzeuges vorhanden ist. Wir betrachten aber wie ausgeführt auch zusätzlich den Betrieb an der Einsatzstelle.

Feuerwehrfahrzeuge stehen in Einsätzen oft bei Bränden und damit in grosser Hitze. Wie gefährlich ist das für Batterien?

Diese Gefahr ist aus unserer Sicht nicht relevant, ausreichend Sicherheitsabstand ist auch aus anderen Gründen zu beachten. Seit Jahren stehen Diesel- und Benzinfahrzeuge bei der Feuerwehr im Einsatz. Aufgrund der hohen technischen Anforderungen an die Batteriepakete erwarten wir hier eine hohe Sicherheit.

Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr müssen nicht nur schnell fahren, Mannschaft und Material transportieren können. Sie sind vor Ort auch im Einsatz, pumpen etwa Wasser oder liefern Strom für Scheinwerfer oder Drehleitern. Sind alternative Antriebstechnologien da ebenso leistungsfähig wie herkömmliche?

Klare Antwort – Ja, sogar bei geringeren Emissionen. Wir werden aber bei der Analyse Wert auf die Daten zur Durchhaltefähigkeit bei längeren Einsätzen und die Bedienbarkeit der technischen Komponenten legen.

Wie verhält es sich mit der Fehleranfälligkeit von Hybrid- oder Elektro-Fahrzeugen? Das sind heute ja eher «Computer auf vier Rädern». Ist das bei Fahrzeugen, auf die zu hundert Prozent Verlass sein muss, nicht ein unnötiges Risiko von Ausfällen?

Wir pflegen einen «E-Mobilität Austausch» mit unseren kantonalen Partnern (Kantonspolizei, Tiefbauamt und den Basler Verkehrsbetrieben). Aufgrund ihrer Erfahrungen können wir von einer sehr hohen Anwendungssicherheit ausgehen. Probleme beispielsweise durch «Softwareupdates» lassen sich durch eine strukturierte Vorgehensweise analog zum Service bei konventionellen Antrieben verhindern. Wir haben übrigens auch mit den Abgasanlagen der neueren Dieselgenerationen ähnliche Herausforderungen erfolgreich gemeistert.

Gibt es bei der Beschaffung von Einsatzfahrzeugen mit Hybrid- oder Elektro-Antrieb besondere Herausforderungen – beispielsweise punkto Datenschutz?

Nach heutigem Kenntnisstand erwarten wir keine Probleme, werden dies aber im Laufe des Evaluationsprozesses prüfen.

Wie ist die Akzeptanz der Idee, die Antriebsart zu wechseln, in der Mannschaft?

Unter den Feuerwehrleuten gibt es unterschiedliche Meinungen zu dieser Thematik. Das ist auch gut, denn so können wir uns mit unterschiedlichen Sichtweisen dem Thema nähern. Schlussendlich werden auf Grundlage von objektiven Daten und Weisungen unsere Entscheidungen treffen. Dazu braucht es Vertrauen und Akzeptanz, denn die Sicherheit und die Qualität unserer Dienstleistungen stehen über allem. Daher lassen wir uns die Zeit für eine intensive und ressourcenbindende Prüfung. Ein Beispiel: Eine Pumpe, die aufgrund der Bauform nicht mehr sichtbar ist und sich nur noch durch ein paar wenige Knöpfe bedienen lässt, ist im Feuerwehralltag ein Paradigmenwechsel. Wir müssen berücksichtigen das in die über Jahrzehnte bewährte Technik der Feuerwehrfahrzeuge hohes Vertrauen besteht.

Ist die Mannschaft in diese Neuausrichtung eingebunden – und wenn ja: wie?

Diese Einbindung ist sehr wichtig und geschieht auf verschiedenen Ebenen ein. Die interne Arbeitsgruppe zur E-Mobilität bildet die Mannschaftsstufen ab. Bei der Entwicklung unserer übergeordneten Fahrzeugstrategie haben wir einen Vertreter des Personalausschusses eingebunden. In den letzten Wochen haben wir fast allen Angehörigen der Berufsfeuerwehr eine solche Technologie vorstellen können. Wir haben ein aktuell in der Feuerwehrwelt hervorstechendes Einsatzfahrzeug mit Hybridantrieb angeschaut. Nun sammeln wir Rückmeldungen, die wir auswerten. Feuerwehrleute gelten als Praktiker und lösungsorientierte Menschen – das können wir gerade in die Prüfung der E-Mobilität bei Grossfahrzeugen gut einbringen und unter Beweis stellen.

Daniel Strohmeier


Der 40-jährige Daniel Strohmeier ist seit Mitte 2018 Kommandant der Berufsfeuerwehr Basel und Abteilungsleiter Feuerwehr in der Rettung Basel-Stadt.