Die Anfänge des Basler Löschwesens mit Gründung des Pompierkorps 1845

25. September 2021

Seit der Entdeckung ist Feuer Segen und Fluch zugleich. Jedes Zeitalter hatte seine eigenen Schwachstellen, welche zu einer Feuerkatastrophe führen konnten. Im Mittelalter wurden Häuser aus Holz und Stroh dicht beieinander gebaut, wodurch sich ein Brand schwer eindämmen lies - aus der Zeit der industriellen Revolution sind Elektrizität und später chemische und biologische Stoffe sowie Radioaktivität hinzugekommen. Heute bringen insbesondere der stark zunehmende Individualverkehr oder auch immer höhere Gebäude zusätzliche Anforderungen an das Löschwesen mit sich. Zudem floss der Rhein mit seinen Gefahrenquellen schon immer durch die Stadt Basel - nicht erst seit 175 Jahren…​​​

(Erster Teil einer losen Serie von Artikeln anlässlich des letztjährigen Jubiläums «175 Jahre Feuerwehr Basel-Stadt»)

Erste bekannte Feuerordnung für Basel aus dem Jahre 1411.

«Wir müssen stärker als das Feuer sein - wir sind es auch - aber einer ist es nicht allein!»
Quelle: Spruch an einem alten Feuerwehrhaus

Im Mittelalter fielen grosse Teile Basels Grossbränden und einem schweren Erdbeben zum Opfer. Man konzentrierte sich jedoch zunächst auf den passiven Feuerschutz. Der Ruf nach einer organisierten Feuerlöschtaktik wurde mit der Zeit immer lauter. So hat Basel als zweite Stadt der Schweiz, nach Zürich (1375), im Jahre 1411 eine Feuerordnung niedergeschrieben.

Darin wurde festgelegt, dass das Löschwesen Angelegenheit der Zünfte und Vorstadtgesellschaften war. Alarmiert wurde damals durch sogenannte Turmwächter. Diese bewachten nachts die Stadt und warnten durch Glocken und Hörner die Stadtbewohner vor einer Gefahr. Bei einem Brand begaben sich die städtischen Zünfte auf den Kornmarkt (heutiger Marktplatz) und die vorstädtischen Zünfte an die Stadttore. Jede Zunft teilte Personen ein und stellte ihre Löschgerätschaften wie Feuerhaken, Leitern, Seile, Äxte, Eimer, etc. zur Verfügung. Ein besonders starkes Kontingent stellte dabei die Zunft der Maurer und Zimmerleute (Spinnwettern). Die Feuerwehrpflichtigen erschienen in ihrer persönlichen Wehrausrüstung samt ledernen Feuereimern. Gelöscht wurde durch das Bilden von Eimerketten, wobei das Löschwasser aus Brunnen geholt wurde.

Im 17. Jahrhundert erwarb die Stadt Basel Handfeuerspritzen aus Nürnberg. Diese erleichterten die Löscharbeiten, da der Brandherd nun gezielter getroffen und bekämpft werden konnte. Später wurde die Erfindung der Feuerspritzen weiter ausgebaut. Es entstanden ganze Fahrzeugspritzen, die hunderte Liter Wasser transportieren konnten. Sie wurden von sechs bis acht Mann bedient und von einem Spritzenmeister beaufsichtigt. Die Leistung der Spritzen wurde durch die Innovation von ersten Schläuchen verbessert.

Bis 1763 war das Löschwesen Angelegenheit der Zünfte. Mit der Feuerordnung von 1763 wurde zum ersten Mal die Basler Stadtgarnison, eine militärische Einheit, für die Feuerabwehr-Massnahmen herangezogen. Dadurch sicherten bei jedem Brand mindestens 12 Männer, neben den Feuerhauptleuten, die Grundbesetzung. Weitere 12 begaben sich zum Werkhof und die restlichen standen auf dem Kornmarkt in Bereitschaft. Zusätzlich zu den Maurern und Zimmerleuten waren nun auch die Küfer verpflichtet, bei einem Brand mitzuhelfen. Eine weitere Neuerung ist das zusätzliche Alarmieren durch Trommeln und Schiessen. In den darauffolgenden Jahren wurden Standeskompagnien gegründet, welche die Patrouillen durch die Quartiere übernahmen. Generell geriet, durch die militärische Übernahme des Löschwesens, das eigentliche Löschen immer mehr in den Hintergrund. Daraufhin wurde das Bedürfnis nach einer besseren Organisation grösser und intensiver.

Gründung des Pompierkorps 1845

Während die Idee eines Sappeur-Pompier-Korps, welches Tag und Nacht im Einsatz stehen kann, im nahen Elsass schon zu vollem Leben erwacht ist, hatte die Stadt Basel nur in der Nacht eine Feuerwache. Der grosse Brand auf dem Landgut von Stadtrat Rudolf Hübscher vor dem Riehentor, bei welchem die bisherige Organisation eine schwere Niederlage erlitt, erregte unter der Bürgerschaft eine allgemeine Entrüstung. Begünstigt durch diesen Vorfall findet im Tagblatt ein Aufruf zur Gründung eines freiwilligen Pompierkorps statt. Es versammelten sich erstmals 124 Bürger und Einwohner aller Stände in der Safranzunft. Der aus der Mitte der Versammlung erwählte Ausschuss wird mit der Beratung über die Art und Weise der Bildung eines Korps und der Anschaffung von zweckmäßigem Material beauftragt.

Die Gründung des Korps erfolgte am 16. September 1845. Carl Leonard Burckhardt wurde zum Hauptmann und Chef des neuen Korps ernannt.

1846 wurde eine weitere Feuerordnung erstellt. Das Pompierkorps nimmt dabei noch eine bescheidene Rolle ein. Das Korps bildet sich durch freiwillige Bürger und Einwohner. Bürger unter 55 Jahren, die nicht dem Militärdienst verpflichtet sind, müssen sich in der städtischen Löschmannschaft (Miliz) oder im Pompierkorps einteilen lassen. Für die Dienstleistungen erhalten die Korpsangehörigen keinen Sold, Uniform und Ausrüstung werden aus eigenen Mitteln beigesteuert. Erstmals finden zweimal jährlich Spritzenübungen und Kontrollen der Löschgerätschaften statt. Das Korps wurde mit der Feuerwache in der Nacht betraut. Die ersten Aufgaben, die der Feuerwache übertragen wurden, waren Meldungen über Feuerausbrüche entgegenzunehmen und die Löschgeräte bereitzustellen. Bei einem aufkommenden Brand wurden die nun auf sämtlichen Stadttoren angebrachten Glocken durch die Torzoller oder Torschreiber betätigt. Überdies leisteten abwechslungsweise zwei Mann Dienst auf dem Münster - jede Viertelstunde war der Turm zu umrunden und nach Feuer Ausschau zu halten.

1857 wird in der ersten Feuerlöschordnung das Pompierkorps als selbstständiges Korps aufgeführt und dessen Bestand von 135 auf 300 Mann erhöht. Die landwehrpflichtigen Pompiers sind vom Militärdienst befreit und erhalten ihre Uniform und die Ausrüstung von der Behörde. Für die Übungen und bei Brandfällen wird erstmals ein Sold ausbezahlt.

1859 erlässt der Grosse Rat ein Gesetz, welches eine Anzahl bisher von der Stadt verwalteter Geschäftszweige dem Staat überträgt, darunter auch das Löschwesen. Die förmliche Übernahme der Löscheinrichtungen durch den Staat erfolgte am 1. Juli 1859. Dies bedeutete auch für die Zünfte und Gesellschaften das Ende ihrer Löschhilfe.

Ab 1872 wird das Pompierkorps alleine mit der Organisation des Löschwesens beauftragt.

Quellen:

Thommen Bruno; Die Basler Feuerwehr. Birkhäuser Verlag, Basel 1982.

Thommen Bruno; Schweizerisches Feuerwehr-Museum. Feuerwehr-Museum Basel (Hrsg.), Basel 1997.

Dubler Anne-Marie: "Feuerwehr". Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 08.06.2021.

Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007788/2021-06-08/, konsultiert am 30.08.2021.

Bilder:

Feuerwehrmuseum Basel, archiviert im Staatsarchiv Basel.

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